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Mai

Bum Media: MigrantInnen in öffentlichen Stellen rar – außer im Pflegebereich

Das Wiener Medienhaus Bum Media hat den ersten Partizipationsbericht im Rahmen der Wiener Integrationswoche veröffentlicht. Fazit: Die öffentlichen Stellen in Wien sind nicht sehr auskunftfreudig. Die Anzahl der Führungskräfte mit Migrationshintergrund liegt meist unter zwei Prozent. Und die gezielte Rekrutierung von Menschen mit Migrationshintergrund scheint in Wien nur ein Schlagwort zu sein.

Wie viele Menschen mit Migrationshintergrund beschäftigen öffentliche Stellen in Wien? Wie hoch ist der MigrantInnen-Anteil unter den Führungskräften? Und gibt es in Wien Aktionen und Maßnahmen zur Anwerbung von MigrantInnen im öffentlichen Dienst?

Bum Media hat nachgefragt und 167 öffentliche Stellen der Stadt Wien kontaktiert. „Obwohl im Integrationsbericht von 2012 von einer gezielten Anwerbung von MigrantInnen die Rede ist, scheint sich dies nur zu acht Instituten durchgesprochen zu haben“, sagt Dino Schosche, Initiator der Integrationswoche und Bum-Media-Geschäftsführer.

Öffentliche Stellen in Wien nicht sehr auskunftsfreudig

Auffällig ist, dass zwei Drittel der befragten Stellen keine Auskunft über dieses Thema geben wollten. 31 Magistratstellen der Stadt Wien haben auf den Integrations- und Diversitätsmonitor der Stadt Wien verwiesen. Dieser enthält jedoch keine aktuellen Daten. Der letzte Integrations- und Diversitätsmonitor der Stadt Wien wurde 2014 veröffentlicht. Laut diesem hat der der Anteil der Beschäftigten mit ausländischer Herkunft im Magistrat ohne Krankenanstaltenverbund (KAV) 15 Prozent und im KAV 34,8 Prozent betragen.

Die hohe Zahl im KAV ist damit erklärbar, dass viele Menschen mit Migrationshintergrund im Pflegebereich tätig sind. Laut aktuellem Partizipationsbericht 2017 von Bum Media beschäftigt der KAV unter den befragten öffentlichen Stellen die meisten Menschen mit Migrationshintergrund. 40 Prozent der MitarbeiterInnen haben mindestens einen Elternteil, der nicht in Österreich geboren ist. Interessant ist jedoch, wie viele MigrantInnen in der Chefetage sitzen. Darüber wollte der KAV keine Auskunft geben und verwies darauf, dass „der Anteil nicht extra erhoben wird, er ist in der Gesamtzahl enthalten.“ Wieder ein großes Fragezeichen? Der KAV wirbt jedoch gezielt MigrantInnen an, nimmt an der Karrieremesse „Fairversity“ teil. Und bei den Veranstaltungen „Boysday“ und „Töchtertag“ liegt der Schwerpunkt auf der interkulturellen Diversität. Für 2018 plane der KAV, erstmals an der „Wiener Integrationswoche“ teilzunehmen.

MigrantInnen als Chefs sind die Ausnahme

Der Integrations- und Diversitätsmonitor der Stadt Wien bestätigte schon 2014, dass MigrantInnen in Führungspositionen unterrepräsentiert sind. Das hat sich in den letzten drei Jahren nicht geändert, wie es scheint. Die Anzahl der Führungskräfte mit Migrationshintergrund in öffentlichen Ämtern liegt meist unter zwei Prozent. Diese Zahl hat sich auch im aktuellen Partizipationsbericht von Bum Media widergespiegelt. In der MA 40 (Soziales, Sozial- und Gesundheitsrecht) beträgt der Führungsanteil von Personen mit Migrationshintergrund null. Dabei ist das Team nicht gerade klein. Ganz im Gegenteil. Die MA 40 beschäftigt insgesamt 700 Menschen; davon 23 mit nicht-österreichischer Staatsbürgerschaft und 56 Personen, die nicht in Österreich geboren sind. Ein ähnliches Szenario bei der MA 59 (Marktservice & Lebensmittelsicherheit): 0 MigrantInnen in der Führungsriege, von den 220 Angestellten sind 11 Personen mit Migrationshintergrund beschäftigt.

In der MA 25 (Stadterneuerung und Prüfstelle für Wohnhäuser) sind zwei Menschen mit Migrationshintergrund in Führungspositionen vertreten. Immerhin. „Von den insgesamt 110 Personen (49 Frauen und 61 Männer) sind sechs MitarbeiterInnen im Ausland geboren, und zwei sind in höherwertigen Funktionen eingesetzt“, heißt es. Im Bereich der Gebietsbetreuungen werden aktuell drei Asylwerber eingesetzt. Die MA 25 mache keine gezielte Anwerbung von Menschen mit Migrationshintergrund, jedoch werden in Abhängigkeit von der Funktion die Fremdsprachenkenntnisse bei der Personalauswahl mitberücksichtigt.

Die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) beschäftigt am Standort Wien 21 von 250 Personen, deren Muttersprache nicht Deutsch ist. Fünf Personen mit Migrationshintergrund sind in Führungspositionen tätig. Die Wiener Stadthalle Betriebs- und Veranstaltungsgesellschaft m.b.H. beschäftigt von den 136 MitarbeiterInnen 14 Personen mit nichtdeutscher Muttersprache, darunter sind zwei Personen in der Führungsriege.

Eine positive Ausnahme stellt die Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien dar: Der Anteil von Führungskräfte mit Migrationshintergrund beträgt dort 22,5 Prozent.

Migrantenvertreter Schosche: „Armutszeugnis für Wien.“ „Sieht man sich die Zahlen des Partizipationsberichtes 2017 an, dann sieht gelebte Diversität anders aus. Es ist ein Armutszeugnis für Wien, dass in öffentlichen Stellen nur selten MigrantInnen angestellt sind, mit Ausnahme im Pflegebereich. Im Vergleich dazu haben rund 40 Prozent der Wiener Unternehmerinnen und Unternehmer Migrationshintergrund“, kommentiert Dino Schosche. Gezielte Aktionen und Maßnahmen zur Anwerbung von MigrantInnen im öffentlichen Dienst führen ebenfalls sehr wenige öffentliche Institutionen durch.

Eine Ausnahme stellt hier neben der Universität Wien, die Menschen mit Flucht- und Migrationshintergrund in der Vorbereitung auf ein Studium und auch während des Studiums unterstützt, auch die MA 57 (Frauenförderung und Koordinierung von Frauenangelegenheiten) und die Wiener Polizei dar. Letztere möchte mit der Initiative „Wien braucht Dich“ explizit Menschen mit Migrationshintergrund ansprechen.

Von den Wiener Stadtwerken heißt es wiederum, dass Vielfalt eine Bereicherung sei, „denn sie steigert die Kompetenzen, etwa im Umgang mit den KundInnen.“ Daten zum Migrationshintergrund werden jedoch nicht erhoben, „da sie kein Auswahl- oder Bewertungskriterium darstellen.“ Und weiters: „Wichtig sind die Kompetenzen, die unsere MitarbeiterInnen mitbringen, wie etwa das Beherrschen einer Fremdsprache.“

 

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