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Migrantenvertreter Dino Schosche: „Herkunft darf nicht über Bildungschancen bestimmen“

Eine Innviertler Schule diskriminiert ein sechsjähriges Mädchen wegen der Herkunft ihrer Eltern, wie die Oberösterreichischen Nachrichten aufdecken. Angeblich aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse wird die sechsjährige Lejla als „außerordentliche Schülerin“ geführt – und erhält damit keine Noten. Migrantenvertreter Dino Schosche zeigt sich entsetzt über die Schule.
Lejla aus Ried im Innkreis ist eine Sechsjährige wie viele andere auch. Sie will die Welt kennenlernen, geht gerne in die Schule und lernt gerne. Lejla spricht das gleiche quirlige Deutsch wie andere Sechsjährige auch, nur mit Innviertler Akzent. Immerhin ist sie hier ja auf die Welt gekommen. Lejla ist auch österreichische Staatsbürgerin. Nur eines unterscheidet das Mädchen von vielen Kindern, mit denen es im Herbst gemeinsam die Schule begonnen hat: Lejlas Eltern sind in Bosnien geboren.

Für die Schule ist das Grund genug, Lejla von vornherein die Deutschkenntnisse abzusprechen, die für einen ordentlichen Schulbesuch notwendig sind. Die Sechsjährige darf zwar am Unterricht in der Klasse teilnehmen, wird aber nicht benotet. „Für das kleine Mädchen ist das eine Demütigung“, zeigt sich Migrantenvertreter Dino Schosche entsetzt. „Damit sagt die Schule: Du gehörst nicht dazu, die anderen sind besser als du.“

Der Initiator der Integrationswoche hat schon mit vielen Menschen mit Diskriminierungserfahrungen gesprochen. Dieser Fall geht ihm besonders nahe: „Da schützen nicht einmal die österreichische Staatsbürgerschaft und hervorragende Sprachkenntnisse davor, ausgegrenzt zu werden. Wir haben in Österreich ein Rassismusproblem. Du kannst dich anstrengen, wie du willst, es wird immer Menschen geben, die dich als Ausländer sehen werden. Leider sitzen solche Menschen sogar in Behörden.“ Das sei die Folge von mittlerweile jahrzehntelanger Hetze gegen MigrantInnen, vor allem in Boulevardmedien und Politik, betont Schosche. „Man kann einfach nicht leugnen, dass es eine institutionelle und strukturelle Diskriminierung gibt. Lejla ist leider kein Einzelfall.“

Schosche kennt zahlreiche ähnliche Fälle, auch in Wien: „Kindern türkischer Eltern wird pauschal unterstellt, sie seien nicht in Österreich angekommen. Weil sie zu Hause Türkisch reden meint man sofort: Die können kein Deutsch. Da ist es völlig egal, wie gut die Kinder bei Sprachtests abschneiden.“ Auch bei der Community aus dem ehemaligen Jugoslawien gebe es solche Vorkommnisse: „Da heißt es immer wieder, die österreichische Gesellschaft akzeptiert die Leute. Dann kommen Eltern zu mir und sagen: Wegen des Nachnamens wird gesagt, die Kinder können kein Deutsch. Das sind oft Kinder der dritten Generation, manchmal sogar mit einem österreichischen Elternteil. Was die Kinder können und was sie brauchen ist oft egal. Das ist traurig“, kritisiert Schosche.

Das gehe zu Lasten der gesamten Gesellschaft: „Wer Kinder mit Migrationshintergrund an ihrer gesellschaftlichen Teilhabe hindert und gegen sie hetzt, arbeitet gegen dieses Land und seine Zukunft.“

Die Probleme im Bildungssystem seien durch jahrzehntelangen Reformstau verursacht: „Das kann man zu kaschieren versuchen, indem man mit dem Finger auf einzelne Gruppen zeigt und sie ausgrenzt. Lösen wird das kein einziges Problem.“ Angebracht seien stattdessen spezifische Angebote, Förderung interkultureller Kompetenzen und vor allem mehr Wertschätzung für die Mehrsprachigkeit von Kindern. „Wir sind ein buntes Land, in dem viele Sprachen gesprochen werden. Das sollten wir doch nutzen“, sagt Schosche.

 

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