18
Mai

Mit besorgten Grueßen: Heimatdichter Richard Schuberth und ein ignoranter Leserbrief

WER kennt sie nicht: Leserbriefe, die einen ob ihrer Ignoranz immer wieder erstaunen. Unsere LeserInnen antworten jetzt den Schreiberlingen – mit Witz, Sachlichkeit und einer Prise Sarkasmus.

 

Sehr besorgte Menschen

Nein, ich habe grundsätzlich nichts gegen Ausländer, ich habe eine sehr liebe ausländische Schwiegertochter, und ich war in vielen Ländern der Welt, ich bin sicher Ausländern gegenüber nicht feindlich eingestellt. Das ist die eine Seite der Medaille. Und wie sieht die andere Seite aus? Kaum ein Tag vergeht, an dem wir nicht von Straftaten hören oder lesen, die von meist aus osteuropäischen und afrikanischen Ländern stammenden Leuten begangen wurden. Gar nicht so wenige Flüchtlinge, die bei uns als Asylwerber leben, begehen kriminelle Taten. Gar nicht so wenige Leute mit anerkanntem Asylstatus begehen kriminelle Taten.

Von den die offenen Grenzen ausnützenden Kriminaltouristen, die sich nach begangenen Taten rasch wieder „verabschieden“, hören wir sehr oft und auch von den entstandenen Schäden und den enormen Mehrbelastungen unserer Behörden. Und wir hören auch von den meist durchaus berechtigten Ängsten von so manchen österreichischen Menschen. Wer von unserer Regierung ein weitaus härteres Vorgehen – Abschieben, wo immer es möglich ist – gegen kriminell gewordene Menschen fordert, die als Flüchtlinge bei uns leben, obwohl viele nicht vor Kriegsgräueln, sondern vor der Justiz ihres Heimatlandes flüchteten oder einfach nur Wirtschaftsflüchtlinge sind, ist deshalb noch lange kein Ausländerfeind, nein, es sind nur Leute, die sehr besorgt sind!

(KRONE, Das freie Wort, Helmut Ehold, per E-Mail, erschienen am 15.4.2018)

 

Sehr geehrter Herr Ehold,

mit der Unterzeichnung der Genfer Flüchtlingskonvention hat sich Österreich 1951 dazu verpflichtet, Flüchtlinge aufzunehmen und zu verpflegen. Weder mir noch Ihnen steht es zu, zu beurteilen, wie berechtigt der Aufenthaltsstatus von geflüchteten Menschen ist. Das obliegt den zuständigen Behörden. Und leider kam es nachweislich oft zu negativen Asylbescheiden bei Menschen, die in ihren Herkunftsländern nachweislich mit dem Tod bedroht waren, ebenso wie es sicher passieren kann, dass sich Menschen, die nicht verfolgt wurden, als Asylwerber ausgaben.

Ich bin sicher, dass weder Ihrer Vernunft noch Ihrer Empathie der Umstand entgangen ist, dass Asylwerbern der Zugang zum Arbeitsmarkt nicht offensteht. Allein in Anbetracht dieses skandalösen Umstandes ist es doch erstaunlich, dass die Kriminalitätsrate von Asylwerbern nicht höher liegt. Wer wie Sie vorausschicken muss, nichts gegen Ausländer zu haben, macht sich bereits dadurch verdächtig, dass er „Ausländer“ offensichtlich als eindeutige Kategorisierung von Menschen akzeptiert. Darf ich Sie Fragen, aus welchem Bundesland des Auslandes das Fräulein Schwiegertochter kommt und welchen Dialekt der ausländischen Sprache sie spricht? Ich nehme an, dass es sich nicht um Romanes oder Albanisch handelt. Ich tippe auf Schwedisch, Französisch, vielleicht sogar Polnisch. Aber Sie wissen ja, es ist wie bei uns – auch im Ausland gibt es solche Ausländer und solche …

Ich nehme zudem an, von Ihrer Abwertung sogenannter Wirtschaftsflüchtlinge nehmen Sie die hunderttausenden Burgenländer aus, die sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Chicago und Illinois ansiedelten, und natürlich deren berühmtesten Wirtschaftsflüchtling Fred Astaire oder die Tiroler in Brasilien und die vielen anderen Österreicher, die sich in die weite Welt aufmachten, um ein besseres Leben zu finden. Und keinesfalls meinen Sie damit jene kriminelle Klasse, auf die der Begriff eigentlich zutrifft, all die heimischen Unternehmer und Berufserben, deren ökonomischer Fleiß vor allem darin besteht, Milliarden an steuerpflichtigem Einkommen auf ausländische Konten zu transferieren, und der Volkswirtschaft einen Schaden zufügen, der die Kleinkriminalität von ein paar Einbrecherbanden, desintegrierten Jugendlichen und Dealern aus Not um ein Unendliches übersteigt. Auch bedenken Sie bestimmt nicht die postkoloniale Wirtschaftspolitik des Westens, die mit Austeritätsdiktaten lokale Volkswirtschaften ruiniert. Bedenken Sie etwa die Verantwortung des kleinen Europas für den Klimawandel, der den globalen Süden verheert, bevor es auch dem Norden an den Kragen geht? Was schert Sie Europa, dem es ja um Österreich geht?

Nun gut, dann bleiben wir eben in der Heimat großer Söhne und Töchter: Bedenken Sie die gesetzlich legalen, aber ethisch schändlichen Geschäfte der österreichischen Waffenindustrie, deren Topprodukte Existenzen vernichten und in die Flucht treiben?
Ihre Sorgen will ich haben. Die kreisen nur um einen Schrebergarten namens Österreich, um den die Hecken noch höher gezogen werden sollen, damit prophylaktisch mit nichtkriminellen Ausländern auch gleich gar keine kriminellen mehr reinkommen und Sie mit Ihren kriminellen Inländern Gartenpartys feiern können. Aber was, wenn auch Ihr Schrebergarten zerfällt und Penzing und Mistelbach unabhängig werden? Dann werden Ihnen der Tiroler Ladendieb und der Heiligenstädter Gangleader mehr Unbehagen bereiten als Ihr Grätzelabgeordneter, der Ihnen die Sozialleistungen kürzen will. Frei nach Lukas Resetarits: Und überhaupt, auf der ganzen Welt gibt es zu viele Ausländer.

Mit besorgten Grüßen,
Richard Schuberth, Heimatdichter und Obmann des Vereins „Wer schützt Österreich vor den Österreichern“

 

Foto: Shutterstock

Dieser Artikel stammt aus der Jahrespublikation „Integration“, (07.05.2018): Die ganze Publikation finden Sie hier: http://www.integrationswoche.at/integration2018.pdf